30.09.2026
Was macht eigentlich...Andreas Morczinietz?
Er war bei einem der größten Wolfsburger Eishockey-Momente Torschütze, spielte mit 41 Jahren immer noch, stürmte über die 2. Liga in die DEL, zu Weltmeisterschaften und zu Olympia, ging noch einmal über die 2. Liga wieder runter in die 3. Liga. Und dann schaffte er noch den Einstieg in seinen Traumberuf, für den er schon zu Wolfsburger Zeiten vorgearbeitet hatte: Andreas Morczinietz, genannt Morczi oder Andi, ist Gymnasiallehrer geworden.
Der drahtige Stürmer war ein Vollblutprofi, doch inzwischen, darüber muss er selbst schmunzeln, „spiele ich öfter Fußball, als dass ich auf dem Eis stehe“. Fußball gibt es regelmäßig mit Lehrerkollegen vom Kaiser-Wilhelm- und Rats-Gymnasium in Hannover. „Eishockey habe ich im letzten Jahr gerade noch drei Mal gespielt“, so der 48-Jährige.
Sport macht er beinahe zwangsläufig noch, muss fit sein, schließlich unterrichtet er neben Englisch auch Sport an dem altsprachlichen Gymnasium, in dem schon ab Klasse 5 auch Latein gelehrt wird. Morczinietz ist immer noch so offen und zugewandt wie zu seiner Zeit in Wolfsburg. Wenn er vom neuen Alltag berichtet, den er schon einige Jahre lebt, spürt man sofort, dass ihm das Lehramt Freude macht und er „seine“ Schule schätzt.
Viele Ligen und Ereignisse passierte er in seiner Karriere, im Norden wurde er sesshaft, der Angreifer, der aus einem Ort stammt, den man aus dem Fernsehen kennt. Aus Wolfratshausen, wo Hubert und Staller oder Hubert ohne Staller TV-Verbrecher jagen. Über den TuS Geretsried startete er in die Profi-Karriere. „Ich habe dann aber auch richtig Glück gehabt“, sagt „Morczi“ rückblickend.
Über Umwege in Augsburgs erste Reihe
Bei Zweitligist Bad Nauheim hatte er überzeugt, Danny Naud, später Co-Trainer in Wolfsburg, holte ihn zu DEL-Klub Augsburg. „Er kannte mich aus Geretsried, da hatte ich noch mit ihm zusammengespielt.“ Und dann ereignete sich eine Geschichte, die märchenhaft klingt, die der Sport aber ab und an schreibt. Morczinietz: „Augsburg hatte einen Ausländer verpflichtet, aber kurz vor dem ersten Testspiel war klar, dass der nicht kommt. Danny sagte, dann soll ich eben in der ersten Reihe spielen.“
„Morczi“ spielte, „Morczi“ traf, schoss sieben Tore in sieben Testspielen. Ein neuer Ausländer ließ auf sich warten, Morczinietz blieb in der ersten Reihe. „Und das war natürlich ein Geschenk. Ich hatte Superspieler neben mir, ich musste mich eigentlich nur freilaufen.“ Vom Speed her machten ihm ohnehin nur wenige etwas vor, Torinstinkt hatte er auch.
Das Ende vom Lied: „Morcz“ war in jener Saison Augsburgs zweitbester Torschütze (25 Tore/25 Vorlagen) und drittbester Scorer hinter seinen Nebenspielern und DEL-Stars Marc Beaucage (52 Punkte) und Rob Guillet (54 Punkte), wobei Guillet es auch noch auf 116 Strafminuten brachte. Morczinietz, ein Gentleman auf dem Eis, hatte 22. Aus Wolfsburger Sicht interessant: Für Augsburg spielte in jener Saison 2001/02 auch Eric Dylla, der ein paar Jahre später mit den Grizzlys in die DEL aufstieg.
In Augsburg hatte er für Furore gesorgt, Bundestrainer Hans Zach rief an, Morczinietz durfte mit zu Olympia in Salt Lake City. „Ein Jahr vorher hatte ich noch 2. Liga gespielt, jetzt fuhr ich mit zu den Olympischen Spielen. Das war großartig, auch wenn ich nach drei Spielen für den damaligen deutschen NHL-Star Jochen Hecht Platz machen musste. Wie groß das war, bei Olympia zu spielen, ist mir so richtig erst später klar geworden.“ Bei den Kölner Haien, zu denen er wechselte, war Eishockey-Legende Hans Zach dann auch sein Coach und Sebastian Furchner, wie einige Jahre später, in Wolfsburg, einer seiner Mitspieler.
Vier Weltmeisterschaften, ein Finaltor
Insgesamt nahm er viermal für Deutschland an Weltmeisterschaften teil. Über die Hannover Scorpions kam er zu den Grizzlys Wolfsburg. Wolfsburgs Manager Charly Fliegauf lotste ihn zur Weihnachtszeit von der Leine an die Aller, der Flügelstürmer buchte 18 Punkte in 21 Partien.
Das erste komplette Jahr an der Aller war statistisch nicht sein bestes, er kam nur auf sechs DEL-Hauptrundentreffer. Dennoch wurde es sportlich ein schönes Jahr. Im DEB-Pokal war er gefährlich, schoss fünf Tore in fünf Partien. Im Finale traf er gleich nach 72 Sekunden zum 1:0 und brachte so die Grizzlys auf den Weg zum Pokaltriumph beim 5:3 gegen die Scorpions. Christoph Höhenleitner, Kenny Magowan (2) und Justin Papineau waren die übrigen Wolfsburger Torschützen in der ausverkauften Eis Arena.
Unglücklich verlief „Morczis“ Start ins zweite komplette Wolfsburger Jahr. Fünf Minuten vor Schluss eines Testspiels bekam er einen Schläger ins Gesicht, erlitt einen Trümmerbruch im Kiefer. Der erste Kieferbruch war es nicht. „Der Arzt hat mir klar gemacht, dass es besser mein letzter gewesen sein sollte, denn sonst ist da nichts mehr zu reparieren, wenn da noch einmal etwas kaputt geht“.
Die Hauptrunde verlief mit zwölf Toren aus 49 Partien nach seinem Comeback aber sehr gut. Rückblickend auf seine gesamte DEL-Karriere sagt der Ex-Profi: „Ich hätte vielleicht manchmal auch mehr Egoist sein sollen, aber ich habe immer versucht, die Anforderungen der Trainer zu erfüllen.“ Sprich: Er erfüllte treu defensive Rollen, in denen er vielleicht auch mal hätte mehr scoren können.“
Doch der ehemalige Stürmer ist nicht der Typ, der traurig zurückschaut. Dafür hat er einfach zu viel erlebt in seinen über 20 Profi-Jahren und mit so vielen ausgezeichneten Spielern gefeiert, gelitten und gejubelt.
Immer noch Kontakt zu Gross
In Wolfsburg erlebte er in dreieinhalb Jahren zwei Chef-Trainer. Erst Toni Krinner, dann Pavel Gross. „Gross“, so sagt Morczinietz, „war der beste Trainer, den ich in all meinen Jahren hatte. Das habe ich ihm bei meinem Abschied auch gesagt.“ Allerdings, so meint er auch: „Es war für einen gestandenen Profi, der ich da schon war, auch enorm anstrengend vom Kopf her.“
Kontakt zum Gross pflegt er bis heute. In seine Wolfsburger Zeit fielen aber auch die Anfänge seiner Lehramts-Studiums, „nur habe ich in der DEL-Zeit natürlich nicht viel geschafft.“ Und: Im Sommer nach seinem Wechsel zu den Grizzlys heiratete er seine Sandra. Die beiden leben mit ihren zwei Kindern Ava und Tristan in Hannover. „Dass ich nach Wolfsburg wieder zu den Scorpions kam, war top.“
Danach blieb er diesem Klub auch nach dem DEL-Ausstieg treu, wurde sogar in der Oberliga ihr Kapitän, spielte auch noch mal unter seinem alten Mitstreiter Lenny Soccio und beendete schließlich seine Karriere nach 1224 Profi-Partien als Hannover Indian am Pferdeturm. Mit noch einmal 60 Punkten aus 47 Partien (inklusive Playoffs). Nur noch dritte Liga, „aber auch unglaublich schön“.
Seine Frau ist für die Grizzlys tätig
Eishockey spielt er kaum noch, das Skifahren, das er als gebürtiger Bayer natürlich konnte, hat er wiederentdeckt, Kontakt zu einstigen Mitspielern hat er noch. Und auch zu Gerrit Fauser. Es gibt sogar noch einen direkten Draht zu den Grizzlys. Seit zwei Jahren organisiert „Morczis“ Frau Sandra, die in der Reisebranche aktiv ist, regelmäßig Flüge für die Grizzlys.

