25.07.2026
Was macht eigentlich...Nafi Öztan?
Der Mann, um den es in dieser Folge von „Was macht eigentlich...?“ geht, hat keine Tore geschossen, keinen Shutout geschafft, gehörte nicht offiziell zur Organisation der Grizzlys – und war sehr wahrscheinlich doch für manchen Punkt und Sieg mitverantwortlich.
Vielen Fans ist er bekannt, viele Spieler haben ihn regelrecht geliebt, was auch in den Interviews für unsere Serie immer wieder spürbar war. Nun, Liebe geht durch den Magen, sagt man ja auch, jetzt dürften viele wissen, um wen es geht.
Was macht eigentlich Nafi Öztan? Auf einmal war er weg, der Mann, der über viele Jahre das Catering in der Eis-Arena und im VIP-Raum verantwortet hatte. Eingefleischte Fans, Eisläuferinnen und Eisläufer wissen es: Nafi ist gar nicht weg. Er ist immer noch regelmäßig in der Halle und das auch in seinem Metier. Er betreut die Gastronomie bei Eis-Disco und öffentlichem Lauf.
Und theoretisch bewirtschaftet er den Raum auch bei DEL-Heimspielen, wenn ihn die Ehefrauen und Lebensgefährtinnen der Profis und deren Kinder belegen. Doch das managt dann seine ewige Lebensgefährtin Verena. „Sie will mich nicht dabeihaben“, sagt der Gastronom aus Leidenschaft, der im türkischen Denizli geboren wurde.
1970 kam er als Kind mit seinen Eltern nach Salzgitter, später lebte er in Wolfenbüttel und wurde in den 80ern eine Institution in der Gastronomie der Region. Er führte das Salü im Kaufhof. Da verliebte sich der einstige Fußballer und Karate-Schüler: in den Sport Eishockey.
„Dort im Salü“, so erinnert er sich, „fing das an mit dem Eishockey. Da zählten einige Wolfsburger Spieler zu meinen Gästen, die Kietzmann-Brüder und einige andere zum Beispiel. Und die sagten immer: ,Komm‘ doch mal zuschauen.‘ Irgendwann habe ich das gemacht.“ Öztan war hin und weg. „Ich fand das unglaublich, was die Jungs auf Schlittschuhen veranstaltet haben, sagenhaft.“
Er wurde Fan. Dabei kann er bis heute kaum Schlittschuhlaufen (es reichte aber, um einmal im Rahmenprogramm bei den legendären Benefiz-Veranstaltungen der Wolfsburger für Wolfsburg teilzunehmen).
Öztan war nach seiner Zeit im Salü noch Geschäftsführer des Clou in Gifhorn gewesen, im Wolfsburger Eishockey war es derweil seit Mitte der 90er langsam bergauf gegangen, am alten Eispalast wurde ein VIP-Zelt aufgebaut, „Ich glaube, ich hatte da schon Nafis Sportlertreff am Reislinger Sportplatz. Da fragte mich der damalige EHC-Vorsitzende Karl-Heinz Lorenz, ob ich da nicht helfen könnte mit der Gastronomie, für die Speisen sorgen könnte. So fing das an“, erinnert sich Öztan.
Und als aus dem Eispalast nach Um- und Ausbau die Eis-Arena geworden war, da stieg Öztan richtig ein, übernahm die VIP-Gastronomie und die Verkaufsstände in und vor der Halle. Oft sah man ihn selbst mit anpacken, gefühlt fast jeder kannte ihn. Nafi, ein Typ, der für jeden ein offenes Ohr hat. „Ich versuche jeden so zu behandeln, wie ich selbst behandelt werden möchte, das ist meine Devise“, sagt er über sich.
Von 1998 bis 2023 war er der Gastronom in der Eis-Arena, in einem Übergangsjahr hatte er noch die Kioske betrieben, danach zog er sich in den kleinen Raum unten zurück. „Gesundheitlich ging es nicht mehr“, sagt er. Neben der körperlichen Arbeit war es stets auch viel Stress, von Logistik, Küche und Organisation der rund 60 Kräfte an Spieltagen. Nun tritt er mit 66 Jahren kürzer, was allerdings wenigstens einen kleinen Vorteil hat: Jetzt kann er öfter Spiele sehen. Meist allerdings daheim im TV. „Ich habe Karten, gehe aber live zu sehr mit, und die vielen Stufen sind auch nichts mehr für mich.“
Aber er kann nun die Spiele verfolgen. Das Vergnügen hatte er berufsbedingt nicht so oft. Außer vielleicht mal kurz einen Blick durch die Scheiben des VIP-Raums werfen, während unten „seine“ Grizzlys Gas gaben. Dafür war er nah dran an den Spielern und die meisten, das zeigte manche Nachfrage bei den Interviews zu dieser Serie, haben den Mann mit dem Schnurrbart sehr gemocht, vielleicht sogar geliebt. Für seine Gäste und die Spieler tat Öztan kulinarisch alles.
Wenn er ihnen den Reiseproviant für Auswärtsfahrten mitgab oder sie manchmal vor Spielen oder in der Vorbereitungsphase verköstigte, wusste er genau, was jeder Profi gernhatte, und erfüllte auch Sonderwünsche. „Mark Voakes und Norm Milley schworen auf Hackfleischbällchen in Tomatensoße“, erinnert er sich. „Und Kenny Magowan mochte es scharf, sehr scharf.“
Dem Angreifer war es nie scharf genug, „also“, so erinnert sich der Gastronom heute mit einem Schmunzeln, „habe ich mir gedacht, das wollen wir doch einmal sehen. Ich habe es ihm mal grenzwertig scharf serviert.“ Und? „Kenny, ein Supertyp übrigens, bekam eine leicht veränderte Gesichtsfarbe, Schweißperlen entstanden auf seiner Stirn. Und dann sagte er, bemüht, sich nichts anmerken zu lassen: Ja, ist gut.“
Nie viel vom Spiel gesehen, das er „phänomenal“ findet, dennoch war der Mann, den die meisten als Nafi kennen, aus vollem Herzen beim Klub dabei. Auch das Catering eines Sonderzugs organisierte er mal mit. Ab und an konnte er sogar mal ein ganzes Spiel schauen.
Sein Highlight: „Unser Aufstieg 2007 in Kassel. Die Huskies waren doch stark und Erster. Todd Simon hatte mir aber gesagt: ,Keine Sorge, Nafi, wir schaffen das.‘ Und dann saß ich nach dem 2:1-Sieg im dritten Spiel in Kassel mit in der Mannschaftskabine, wo eine Riesenflasche Sekt kreiste. Todd schaute mich grinsend an und sagte: ,Siehst du, Nafi, ich habe es dir doch gesagt.‘ Das war ein toller Moment.“
Seitdem spielen die Grizzlys dauerhaft im Oberhaus und nun ist der Gastronom zuversichtlich, dass es sportlich noch besser wird als zuletzt, „denn Tyler Haskins ist zurück. Ein Top-Mann, ein Gentleman, ich freue mich total über seine Rückkehr.“

