News: Was macht eigentlich...Todd Simon?

18.07.2026

Was macht eigentlich...Todd Simon?

Wenn die Playoffs anstanden, dann verwandelte sich der Mann, um den es in dieser Folge von „Was macht eigentlich...?“ geht, in eine Scoring-Maschine. Rechtsschütze, schlauer Spielmacher mit exzellentem Rückhandpass: Todd Simon war einer der Akteure, die am Anfang der DEL-Zeit von Schwarz-Orange stehen.

Es gab eine Partie der Grizzlys Wolfsburg, der er einen dicken Stempel aufdrückte. Zweimal führte er den damaligen EHC Grizzly Adams zum Aufstieg. Der Kanadier nahm zudem buchstäblich bleibende Erinnerungen aus Wolfsburg mit und ist daheim eine lokale Berühmtheit.

Simon war schon 28 Jahre alt, als er seine Deutschland-Karriere startete. Für die Buffalo Sabres, die ihn gedraftet hatten, durfte er 20 NHL-Partien absolvieren, für deren Farmteam Rochester Americans hatte er in der AHL 209 Einsätze mit fast 300 Scorerpunkten. Doch der Ruf in die NHL kam nicht mehr. Simon schoss sich den Detroit Vipers und danach den Cincinnati Cyclones in der IHL an, die versuchte, sich als Konkurrenz zur NHL zu etablieren.

Als die IHL den Spielbetrieb einstellte, wechselte Simon erst zu den Essen Moskitos (wo der heutige TV-Experte Rick Goldmann und der spätere Grizzly Lars Brüggemann spielten), dann zu den Hannover Scorpions, ehe er sich Zweitligist Wolfsburg anschloss. In Essen und Hannover hatte er zu den Topscorern gezählt, in Wolfsburg war das nicht anders.

Viertbester Scorer nach der Hauptrunde 2003/04 war er, in den Playoffs war der Kanadier mit 14 Punkten aus zwölf Spielen Zweiter hinter Radek Vit (18 Punkte), der da einen Riesenlauf hatte. Das Team um Jan Zurek, David Musial, Christoph Wietfeldt und Andrej Kaufmann (dem Vater der mehrfachen deutschen Tischtennismeisterin Annett Kaufmann) stieg erstmals in die DEL auf. Der Klassenerhalt gelang, aber die Grizzlys flogen mangels Halle nach dem Triumph im Abstiegs-Playdown gegen Kassel aus der Liga.

Der Mittelstürmer war zweitbester Scorer hinter Ivan Ciernik geworden. Den zog es nach Köln. Simon blieb, doch die Saison 05/06 war trotz seiner 71 Punkte als Topscorer für die Grizzlys mäßig und nach fünf Playoff-Partien beendet. Doch Simon, Zurek, Tim Regan, Torwart Chris Rogles und Co. nahmen den nächsten Anlauf. Als Zweiter gingen sie bei ihrem Playoff-Durchmarsch ins Duell mit dem Hauptrundensieger Kassel und zogen in drei Spielen durch.

„Ich glaube, ich habe in einem Spiel damals drei Tore erzielt“, meint Simon, „aber ich weiß nicht mehr genau, in welchem.“ Nun, es war am 15. April 2007, in der zweiten Finalpartie. Übrigens hatte es bis dahin ein jener Spielzeit in fünf Duellen dieser beiden Teams nur Auswärtssiege gegeben. Nach dem 1:0 in Kassel zum Finalstart war Simon-Time in Spiel zwei. Er erzielte in ausverkaufter Halle das 1:0, das 2:1 und das 3:1. Die Grizzlys brachten den Sieg mit 3:2 nach Hause, gewannen danach mit 2:1 bei den Huskies um den späteren Grizzlys-Co-Trainer Mike Pellegrims, hatten die Best-Of-Five-Serie damit gesweept und waren wieder in der DEL. Aber ohne Todd Simon.

„Das war schon enttäuschend“, sagt der Stürmer. „Zweimal habe ich geholfen, den Aufstieg zu realisieren, habe alles rausgehauen, meinen Job gemacht.“ Doch Charly Fliegauf, damals erst seit wenigen Monaten neuer Wolfsburger Manager, musste schwierige Entscheidungen treffen, erinnert sich: „Damals habe ich mir sicher nicht nur Freunde gemacht. Fakt ist, dass Todd ein ganz wichtiger Faktor für unseren Aufstieg war.“

Der Center war da aber auch schon 35 Jahre alt, hatte stets viel Eiszeit bekommen, war im Powerplay und in einer Topformation stets gesetzt. Fliegauf: „Diese Rolle brauchte er, hätte sie aber bei uns nicht wieder bekommen können.“

Simon spielte noch ein Jahr in Italien, beendete dann seine Karriere und kehrte zurück nach Niagara Falls. Dorthin war er als 17-Jähriger gezogen, dort war er für das OHL-Team Niagara Falls Thunder ein herausragender Stürmer gewesen, war einmal sogar Topscorer der gesamten CHL (bestehend aus OHL, WHL und QMJHL). Und so blieb der Ort auch Heimat für den Mann aus Toronto, als er Profi wurde – erst stets im Sommer, seit 2008 für immer. Simon arbeitete dort als Trainer, trainiert zudem seit langem Nachwuchs in seiner Eishockey-Schule.

Seit drei Jahren hat er noch einen eher ungewöhnlichen Job für einen Ex-Eishockeyprofi. „Ich bin Busfahrer bei der städtischen Transportgesellschaft“, erzählt er. Simon fährt Linie und ist froh, dass er nicht das beliebteste Touristenziel in der selbst ernannten Flitterwochen-Hauptstadt ansteuern muss: die Niagara-Wasserfälle. „Denn da ist natürlich immer Stau.“

Simon selbst ist eine kleine lokale Berühmtheit, wurde vor sieben Jahren als einer der großen Sportler der Stadt auf der Niagara Falls Sports Wall of Fame verewigt. „Das war eine große Ehre“, sagt er.

Kontakte zu Ex-Mitspielern sind inzwischen eingeschlafen, „mit Chris Rogles gibt es aber noch welchen“.  Sehr traurig hatte ihn 2013 die Nachricht vom plötzlichen Tod von Elvis Reese (Beslagic) gemacht. „Das war ein Schock, er war ein sehr guter Freund“, so Simon. Seine Tochter Rachel bringt gerade ihr Studium in Hamilton zu Ende, die zweite Tochter Ashley arbeitet auf Vancouver Island, gut 4000 Kilometer entfernt.

Simon hat allerdings beide Töchter immer bei sich. Denn buchstäblich bleibende Erinnerungen hatte er sich in Wolfsburg auf die Oberarme tätowieren lassen: Porträts der beiden.