News: Was macht eigentlich...Robbie Bina?

10.07.2026

Was macht eigentlich...Robbie Bina?

Acht Jahre war er Grizzly, zählt zu den wenigen Akteuren, die dreimal mit Wolfsburg das Finale erreichten. Er war ein „Unsung Hero“, wie sein ewiger Teamkamerad Sebastian Furchner schwärmt. Robbie Bina sorgte nur ganz selten für große Schlagzeilen, doch die Fans schätzten den Abwehrspieler sehr. „Mr. Zuverlässig“ wurde sein Spitzname. Er war er eine Konstante in jeder Hinsicht. Ein Vollblut-Profi. Doch mit Eishockey beschäftigt er sich nicht mehr viel, wie unser Redakteur Jürgen Braun herausgefunden hat.


2010 stieß Bina von den Stavanger Oilers aus Norwegen nach Niedersachsen. Er bestritt in seinen ersten drei Jahren in Wolfsburg jeweils alle 52 Hauptrundenpartien, danach verpasste er in weiteren drei Spielzeiten zweimal jeweils nur eine Hauptrundenpartie und einmal sechs. Von 2011 bis 2014 war er in allen 36 Playoff-Partien der Grizzlys am Start. Schmerzfrei war er sicher nicht. Aber er konnte auf die Zähne beißen wie nicht viele. Furchner, der über 1000 DEL-Partien bestritt, erinnert sich: „Große Worte hat er nie gemacht, er hat sich immer in den Dienst der Mannschaft gestellt, selbst in Situationen, wo man gesagt hätte, das ist für einen normalen Menschen gar nicht möglich. Robbie hat immer die Mannschaft in den Vordergrund gerückt, ist einer der aller wertvollsten Spieler, mit denen ich je zusammengespielt habe.“


Exzellentes Defensivspiel, obwohl er mit 1,75 Metern Körpergröße ein kleiner Verteidiger war -  das spielt der US-Amerikaner auf seine typische Art herunter: „Dadurch hatte ich einen tiefen Schwerpunkt, das konnte ich nutzen.“ Trotz kurzer Reichweite war er im Zweikampf, dem er nie aus dem Weg ging, enorm stark und geschickt, war hart, kam aber meist ohne Foulspiel aus.


Er schaffte es 2011/12 sogar mal, in einer Spielzeit mehr Punkte (23) zu erzielen als Strafminuten (22) zu sammeln. Es waren vier Toren und 19 Vorlagen. Bina der Torjäger - sogar das gab es. Viele davon im Powerplay, durch die sogenannte Backdoor, die Hintertür. „Eine Frage des Timings und der Mitspieler“, gibt Bina das Lob dafür gleich weiter. „Mark Voakes war meist der Zuspieler.“ Der geniale Grizzlys-Center zog das Spiel so auf eine Seite, dass irgendwann Bina sich auf der anderen Seite von der blauen Linie zum Tor runter schleichen, dort den Querpass im richtigen Moment aufnehmen konnte und ein freies Netz vor sich hatte. In seinen Grizzlys-Spielzeiten fünf und sechs kam Bina so zweimal in Folge auf elf Hauptrundentreffer. Der Mann, den Manager Charly Fliegauf quasi über Nacht verpflichtet hatte („Ich hatte einen Tipp bekommen, dass da ein Spieler in Norwegen auftrumpft“), war ein Phänomen. Titel hatte Bina in Nordamerika und mit den Stavanger Oilers geholt. Mit den Grizzlys blieb ihm das versagt. Doch er betrachtet das nicht negativ: „Schön wäre ein Titelgewinn gewesen, klar, aber allein das Finale zu erreichen ist schwer und das schafft man eigentlich nicht so oft.“


In den Spielzeiten sieben und acht holte Bina dann das Verletzungspech, von dem er seit einem gefährlichen Halswirbelbruch 2005 und einer Saison Zwangspause praktisch verschont geblieben war, ein. Leistenprobleme, eine Handverletzung - in diesen zwei Spielzeiten kam er nur auf 60 Hauptrundeneinsätze. Er wechselte noch nach Italien zu Asagio, wo Ex-Grizzlys-Kollege Marco Rosa spielte, dann beendete Bina die Karriere mit 36 Jahren.


Alles hat seine Zeit - diesen Eindruck vermittelt Bina heute. Aber vielleicht ist das ganz logisch. Als Eishockey-Profi widmete er sich mit Leib und Seele dem Kufensport und seinem Team. Ob als Junior, ob in Nordamerika, in Norwegen, bei den Grizzlys oder in Italien. Ein Teamspieler par excellence. Danach kam ein anderes Team. Team Normales Leben sozusagen. Er konzentrierte sich vor allem seinem neuen Beruf. Sein Vater hatte einst einen Maurerbetrieb aufgebaut, sein Bruder hat einen Maurerbetrieb und Robbie Bina ist nun Maurer im Unternehmen des Bruders. Seit zwei Jahren ist er mit Katelyn verheiratet, vor knapp zwölf Monaten kam Töchterchen Sutton auf die Welt.


Guckt er denn noch noch Eishockey? Hat er noch Kontakte zu Ex-Mitspielern? „Zu Tim Hambly und Jeff Likens besteht noch Kontakt“, sagt er. „In den Playoffs der NHL schaue ich dann auch schon mal Hockey.“


Eigentlich kommt man in Grand Forks/Minnesota, einer Eishockey-Hochburg, kaum an diesem Sport vorbei. Bina ahnt zumindest, dass die Leidenschaft bei ihm noch einmal zurückkehren kann. Nämlich dann, „wenn meine Tochter Sutton sich für Eishockey interessieren sollte“. Sollte sie ein wenig vom Talent des Vaters und von seiner professionellen Haltung geerbt haben, dann ist das gar nicht unwahrscheinlich.