News: Was macht eigentlich...Norm Milley?

13.06.2026

Was macht eigentlich...Norm Milley?

Die Grizzlys feierten im späten Frühjahr 2015 mit ihren Fans den Saisonausklang im kolumbianischen Pavillon am Allersee. Wie immer wurden verdiente Spieler verabschiedet. Bei einem war die Schlange derer, die persönlich Goodbye sagen wollten oder ein Autogramm erbaten, besonders lang: bei Norm Milley. Der Kanadier hatte sich aus verschiedenen Gründen in die Herzen der Fans gespielt.

Norm Milley – der Stürmer war der zweite Wolfsburger, dessen Trikot einen Ehrenplatz in der Eis-Arena erhielt. Der Spieler mit der Nummer 14 hatte sich in sieben Jahren einen Namen in Wolfsburg und in der Liga gemacht. Über 100 Tore erzielte er für Wolfsburg, keiner hat bis heute mehr Assists erreicht. 2010/11 erzielte er in zwölf Partien in Folge mindestens einen Scorerpunkt. Das schaffte auch noch kein anderer Grizzly. Eine Qualität des Ex-NHL-Spielers: Er konnte das Spiel hervorragend lesen und auch von seiner Außenposition aus aufziehen und seine Mitspieler in Szene setzen. Doch genauso gut konnte er plötzlich wie ein Torjäger auftrumpfen.

Wir erreichen ihn zu einem kleinen Gespräch an seinem Arbeitsplatz in der Geschäftsstelle der Ottawa 67s. Die Saison ist gerade zu Ende gegangen für seine Mannschaft. „Alles in allem war es eine gute“, sagte er nach dem Aus in der zweiten Runde gegen die Barrie Colts.

Nahtloser Übergang

Milley war nach der aktiven Karriere ein nahtloser Übergang gelungen. Nach seinem Engagement in Wolfsburg hatte er noch zwei Jahre für die Düsseldorfer EG gespielt, danach wurde er Co-Trainer bei den 67s. „Es hat sich also nicht wirklich etwas verändert“, sagt er. „Nur dass ich Bus jetzt vorne sitze, wo die Trainer und der Staff sitzen und nicht wie früher weiter hinten.“ Die 67s spielen in der OHL, der höchsten kanadischen Junioren-Klasse, alle Touren werden mit dem Bus gemacht, „Wir haben 34 Roadtrips, manche dauern zwei Stunden, die längste Tour führt zu den Saginaw Spirit, dauert zehn Stunden, aber die gibt es nur einmal pro Saison“, erklärt der Ex-Profi.

Milley ist für das Offensivspiel seines Teams, das Powerplay sowie die Spielzüge der Offensive zuständig. „Aber wir arbeiten im Trainerstab alle zusammen und tauschen uns über alles aus.“ Milley schätzt die 67s sehr, „denn es ist alles super professionell, es gibt perfekte Möglichkeiten und Einrichtungen wie bei einem NHL-Team.“

Ottawa war eher Zufall

Dass er in Ottawa landete, war eher ein Zufall – wie es sie in der kleinen Eishockey-Welt öfter gibt. Milley berichtet: „Wir hatten ein Haus zur Miete in Ottawa, als ich noch nicht so genau wusste, wie ich nach der aktiven Karriere weitermache. Dann haben wir uns entschieden, das Haus zu kaufen. Als ich dann nach dem letzten DEL-Jahr 2017 heimkam, gab es kurz danach einen neuen General Manager bei den 67s. Den kannte ich, er wollte einen neuen Stab aufbauen, kurz darauf hatte ich ein Gespräch mit ihm und dem Coach André Tourigny. Und wenige Tage später war ich einer der Co-Trainer.“ Tourigny übrigens ist heute Coach der Utah Mammoth in der NHL. 2006 hatte Tourigny den Memorial Cup (Endturnier der OHL, WHL und QMJHL) mit den Quebec Remparts gewonnen. Milley erinnert sich: „Im Gespräch kam ich ja auch auf Wolfsburger Mitspieler wie Brent Aubin. ,Den kenne ich' meinte Tourigny.“ Kleine Eishockey-Welt. Aubin war beim Memorial Cup nämlich ein Tourigny-Schützling gewesen.

Strebt auch Milley mal nach höherem? „Ich fühle mich in meiner aktuellen Rolle eigentlich sehr wohl“, sagt er. Keine Umzüge mehr, dafür mehr Familienleben. „Mein Sohn Noah ist 19, Charlotte 16. Ich genieße die Zeit, so lange wie sie noch zu Hause sind. Was irgendwann einmal kommt, wird man sehen.“ Seine Frau Katie arbeitet für die kanadische Regierung, in der Verwaltung der Royal Canadian Mounted Police (berittene Polizei).

Tochter Charlotte kam in Wolfsburg zur Welt. Ein besonderer Moment.

Igor Hasko prägte sich ein

Was ist noch haften geblieben von seiner Zeit in der VW-Stadt? „Meine erste Begegnung werde ich nie vergessen. Igor Hasko hat mich vom Flughafen abgeholt. Ein Riese, ein Bär. Das hat sich eingeprägt.“

Der Pokalsieg 2009 und das DEL-Finale mit den Grizzlys zu erreichen seien spezielle Momente gewesen, „gut in Erinnerung habe ich auch noch unseren Lauf, als wir zur Weihnachtszeit Letzter waren und später in Playoff-Halbfinale gekommen sind und sogar Hauptrundensieger Mannheim rausgeworfen haben.“

Doch es gebe etwas, was mehr haften geblieben ist: „nämlich die Menschen, die Mitspieler. Das war damals eine fantastische Gruppe mit einem starken Kern.“ Ein Kern, den der spätere Vize-Kapitän selbst aktiv mit geformt hatte und dessen Beliebtheit bei den Fans gleichermaßen aus sportlicher Leistung und freundlicher, fröhlicher Nahbarkeit entstand.

Hoffnungen auf Haskins

Er hoffe, dass sich jetzt vielleicht ähnliches wieder entwickele. „Klar habe ich Tyler Haskins angerufen, ihm gratuliert, als er in Wolfsburg zugesagt hat. Ich verfolge immer noch die Ergebnisse und den Kader des Teams.“

Wie viel Pavel Gross, der ihn alle Jahre in Wolfsburg unter seinen Fittichen hatte, steckt eigentlich im (Co)-Trainer Milley? „Schwer zu sagen“, meint er, „aber ich habe viel von ihm gelernt. Als Spieler wusste man manchmal nicht, warum er das, was er macht, so macht. Jetzt als Coach verstehe ich es alles.“

Seine Schützlinge sind zwischen 16 und 20. Milley: „Das ist die Zeit, in der sie geformt werden, in der sich zeigt. wohin ihr Weg geht. Das macht die Aufgabe ungeheuer spannend.“ Einige 67s hat er schon in die NHL gehen sehen. Etwa Jack Quinn (Buffalo Sabres) oder Tye Felhaber, der einige Einsätze für Colorado hatte. „Tye rief mich an, als er vor seinem ersten Einsatz stand und hat sich bedankt, das hat mich sehr gefreut.“ Zu vielen früheren Mitspielern hält er noch Kontakt und denkt immer gern an Igor Hasko zurück, denn der hinterließ nicht nur wegen seiner Größe Eindruck: „Er ist einfach ein großartiger Betreuer und Mensch.“