05.06.2026
Was macht eigentlich...Ivan Ciernik?
Der Eispalast platzte aus allen Nähten am Mittwoch, 30. März 2005. Die kleine Halle mit dem markanten, gelben Plastikdach bebte. Spiel Nummer 7 der DEL-Playdowns zwischen dem EHC Wolfsburg und den Kassel Huskies. Als gegen 20.15 Uhr ein umjubelter Treffer im damaligen Wolfsburger Eispalast fiel, da ahnte niemand der Zuschauenden, dass man den letzten Treffer einer kommenden DEL-Legende erlebt hatte. Ivan Ciernik hatte getroffen.
Ciernik war der erste DEL-Star in Wolfsburg und einer, an dem man, wie seine weitere Vita zeigte, noch viel Freude hätte haben können. Sein in Wolfsburg geborener Sohn wurde übrigens vor wenigen Wochen nach Nordamerika in die AHL berufen.
Der EHC Grizzly Adams, der sich 2015 in Grizzlys umbenannte, gewann in jenem März 2005 das entscheidende Spiel 7 gegen Kassel mit 3:2 und sicherte sich den Klassenerhalt. Allein, es nützte nichts. Der angestrebte Hallenneubau kam nicht, Wolfsburg verlor die Lizenz am Grünen Tisch und im Gefolge seinen Topspieler. „Das war sehr schade“, erinnert sich Ciernik. „Ich hatte für zwei weitere Jahre unterschrieben, wäre sehr gern in Wolfsburg geblieben.“
Große Spuren in der DEL hinterlassen
Dochohne DEL-Lizenz musste der Klub ihn ziehen lassen. Wolfsburgs Personalpolitik der vorangegangenen Jahre hatte den Wechsel des Stürmers aus Nordamerika in die DEL überhaupt erst möglich gemacht. Die NHL war 2004 im Lockout, etliche Akteure aus Nordamerika strömten in die DEL. „Mein Agent hatte mir Wolfsburg vorgeschlagen“, erinnert sich Ciernik. „Sie hatten mit Stefan Mikes einen slowakischen Trainer, mit Roman Veber und Jan Zurek Spieler aus der Slowakei und Tschechien, also dachte ich mir, das könnte passen.“
Der Angreifer hatte zuvor seit 1997 in Nordamerika gespielt, war unter anderem für die Ottawa Senators und die Washington Capitals in der NHL aktiv gewesen.
Für Wolfsburg, das damals sein DEL-Debüt gab, punktete er beständig, was er danach in Köln, Hannover und Augsburg fortsetzte. Mit sagenhaften 248 Toren in seinen nur zehn DEL-Jahren rangiert er immer noch in den Alltime-Top-Ten der DEL-Torjäger. Der Ausländer mit den meisten DEL-Toren ist er sowieso.
Ivan, der Stille
Müsste man Ciernik charakterisieren, ginge das schnell. Nämlich so: wenig Worte, viele Tore. Denn der Profi, später von Boulevard-Medien wegen seiner Torgefährlichkeit mit dem Namen „Ivan, der Schreckliche“ belegt, war eher „Ivan, der Stille“. Kein Lautsprecher, keiner, der viel redete, aber wenn, dann ernsthaft. Und so spielte er auch. Manchmal wirkte er geradezu teilnahmslos, extrem unauffällig – als würde er auf bestimmte Momente warten.
Und die kamen fast immer. Wenn der Außenstürmer dann antrat, war er kaum zu stoppen. „Wie eine Lok“, sagt er selbst mit einem Schmunzeln. In Wolfsburg landete er mit seinen 26 Hauptrundentreffern auf Platz drei der DEL-Torjäger-Liste. Vielleicht noch wichtiger zumindest an jenem Mittwoch kurz nach Ostern: seine beiden Treffer in Playdown-Spiel Nummer 7.
Mit seiner Frau Eva und den Kindern Samuel (heute Nachwuchscoach in Iserlohn) und Alex wurde er in Köln für mehrere Jahre sesshaft, war 2006 Außenstürmer des Jahres in der Liga, 2008 Playoff-Toptorjäger mit elf Treffern. Mit 40 Jahren beendete er seine Karriere schließlich bei Zweitligist Crimmitschau.
Woran denkt er noch zurück, wenn er Wolfsburg hört? „Zum damaligen Wolfsburger Klubchef Karl-Heinz Lorenz hatte ich noch eine Weile Kontakt, manchmal haben wir uns nach Spielen vor der Kabine getroffen. Und Kontakt hatte ich auch zu Igor Hasko, unserem Betreuer, der ja immer noch in der DEL tätig ist.“ An Wolfsburg hat Ciernik gute Erinnerungen. Und: „Unser Sohn Alex ist dort geboren.“
Der scheint in die Fußstapfen des Vaters zu treten. Ciernik hatte deshalb seinen Wohnsitz in den vergangenen Jahren nach Schweden verlegt. Alex spielte dort seit 2018. 2023 holte ihn NHL-Klub Philadelphia Flyers, in diesem Sommer wurde der 21-Jährige für das AHL-Farmteam der Lehigh Valley Phantoms verpflichtet. „Er ist ganz anders als ich“, sagt Ciernik. „Schneller und hat einen sehr guten Pass.“
Der Ex-Grizzly wird ihn sicher besuchen, er lebt mit seiner Frau nun wieder in der Heimat, betreut in der Nähe von Nitra Nachwuchsspieler des Klubs HC Zlate Moravce und arbeitet an einer Trainerlizenz.

