05.02.2026
Auf Scouting-Tour: Charly Fliegauf im Interview
Olympiapause. Zeit zum Durchatmen. Das gilt aktuell für die Grizzlys, für einen aber gewiss nicht: Sportdirektor und Geschäftsführer Charly Fliegauf weilt aktuell in den USA und befindet sich dort auf Scouting-Tour. Im Interview berichtet er von seinem Alltag, seinen Touren und Wiedersehen mit alten Bekannten.
Charly, am 27. Januar haben wir abends unser letztes Spiel vor der Pause in Bremerhaven absolviert und nach Verlängerung gewonnen. Wie ging es von diesem Zeitpunkt an für dich weiter?
Ich bin nach dem Spiel mit dem Auto nach Hannover gefahren und habe mir für ungefähr vier Stunden ein Zimmer in einer Pension genommen. Um 5 Uhr bin ich zum Flughafen gegangen und dann von Hannover nach München geflogen. Dort hatte ich einen etwas längeren Aufenthalt, weil etwas mit der Maschine nicht gestimmt hat. Der Flug nach New York hat acht Stunden gedauert. Die Einreise hat sehr gut geklappt, das war reibungslos. Ich war nach fünf Minuten durch.
Viel Zeit zum Erholen und Ausruhen von den Reisestrapazen war aber vermutlich nicht…
Ich habe mir direkt ein Mietauto organisiert und bin am ersten Tag nach Hartford zum ersten Spiel gefahren. Dort habe ich mir in der AHL Hartford Wolf Pack gegen Charlotte Checkers angeschaut. Danach bin ich nach Newark gefahren, am zweiten Tag war ich beim Spiel der New Jersey Devils in der NHL gegen die Nashville Predators. Nach einer Übernachtung im Hotel war ich dann wieder mit dem Auto unterwegs.
Wie viel Arbeit und Aufwand musst du auch im Vorfeld schon in eine solche Tour investieren, damit alles reibungslos ablaufen kann?
Das beginnt schon ein paar Wochen vorher. Im Westen wäre das Wetter ein bisschen schöner, im Osten kenne ich mich aber sehr gut aus und war schon häufiger hier. Es liegt Schnee ohne Ende, die Straßen sind aber super geräumt. Man muss sich schon einige Spiele anschauen können, sonst rentiert sich die Tour nicht. Man fängt an, die Routen zu planen und kontaktiert die Heimclubs, um einen Media-Pass zu bekommen. Das ist in der Regel auch kein Problem. Die Strecken, die ich fahre, liegen etwa zwischen 150 und 300 Meilen. Insgesamt sind es 3700 Kilometer, die ich hier querbeet im Osten zurücklege. Auf den Highways ist es teilweise ein bisschen langweilig, ich hatte aber zweimal Glück, dass die Autos vor mir bei Kontrollen rausgezogen worden sind. Man muss da schon aufpassen (lacht).
Du bist auch schon alten Bekannten begegnet…
Es ist interessant zu sehen, wie viele ehemalige Profis Positionen im Staff bekleiden. In Springfield habe ich Chad Wiseman getroffen, der Co-Trainer bei den Springfield Thunderbirds in der AHL ist und in der Saison 2007-2008 für die Grizzlys gespielt hat. In Utica habe ich mich in einem meiner Lieblingsspieler getroffen, Mark Voakes. Er ist inzwischen Co-Trainer bei den Utica Comets in der AHL. Es war schön, ihn mal wieder zu sehen, seine Kinder waren auch da.
Du schaust dir Spiele aus der NHL, AHL, aber auch der ECHL an. Was sind deine bisherigen Eindrücke und welche Ziele verfolgst du während deiner Scouting-Tour?
Aus der ECHL gibt es viele interessante Spieler. Es geht mir hauptsächlich darum, einen Querschnitt zu bekommen. Ich kann mir 13 Mannschaften anschauen, mir einen Überblick über das Niveau und die Spieler verschaffen, die wir für die nächste Saison, aber vielleicht auch für die fernere Zukunft suchen. Ich treffe mich auch mit dem einen oder anderen Spielervermittler und dem einen oder anderen Kontakt, mit dem ich mich über gewisse Spieler austauschen kann. Die Tour ist sehr wichtig. Es wird nicht leichter, vor allem in der AHL. Die Teams sind alle sehr, sehr jung. Man sucht sozusagen einen noch nicht entdeckten Diamanten.

