11.03.2020

Charly Fliegauf: "Alternativlose Entscheidung"

Ein schwarzer Tag. Die Saison in der Deutschen Eishockey Liga ist seit gestern beendet. Viele Fans zeigten Verständnis, andere wiederum konnten es nicht ganz einordnen. Dass diese Entscheidung der Clubs sowie der Liga alternativlos war, erklärt Grizzlys-Sportdirektor Charly Fliegauf im Interview.

Charly, hast du für dich persönlich bereits realisiert, dass die Saison ad hoc vorbei ist?

Charly Fliegauf: Noch nicht so richtig. Der gestrige Tag war nicht einfach. Es ist für alle ein schwerer Schlag gewesen. Aber die Entscheidung war rational und absolut alterativlos.

Kannst du das näher erläutern? Es gibt Zuschauern und Fans, die mit dieser Entscheidung nicht ganz zufrieden sind und die Austragung von sogenannten Geisterspielen fordern, wie es beispielsweise im Fußball umgesetzt wird…

Grundsätzlich steht die Gesundheit aller Spieler, Zuschauer und Mitarbeiter im Vordergrund. Dies war der Hauptpunkt der Entscheidung. Geisterspiele wären für viele Clubs keine sinnvolle Alternative gewesen. Unser Sport lebt von der Emotion. Playoffspiele ohne Zuschauer – das ist für mich nicht real.

Warum nicht?

Auf der einen Seite stehen die Kosten für die Austragung eines Heimspiels sowie auch die festgelegten Spielerprämien. Auf der anderen Seite fehlen die Zuschauereinnahmen komplett, welche im Eishockey und auch in anderen Sportarten, nehmen wir die erste und zweite Fußball-Bundesliga mal heraus – einen nicht unerheblichen Anteil der Kalkulation ausmachen.

Wie war die Stimmung in der Kabine, nachdem du es der Mannschaft mitgeteilt hast?

Es war für uns alle sehr hart. Bei einigen Jungs sind Tränen geflossen, da es ihr letztes Spiel in der Liga oder aber für die Grizzlys war. Einige Jungs haben anschließend noch gemeinsam für ein paar Stunden in der Kabine gesessen. Es ist frustrierend, wenn man acht Monate auf diese Zeit hinarbeitet und dann nicht spielen darf.

Wir haben bereits versichert, dass die Kosten für bereits gekaufte Tickets zurückerstattet werden…

Ja, natürlich. Wir klären derzeit, wie es genau ablaufen wird und werden dies zeitnah kommunizieren.

Wird es eine Saisonabschlussfeier geben?

Nein, in der aktuellen Situation ist eine Umsetzung mit mehreren hundert Menschen kaum möglich. Das tut uns für alle Fans sehr leid. Wir werden uns über eine mögliche Alternative intern unterhalten. Vielleicht im Rahmen der Saisoneröffnung im Sommer. Wir wollen auch unserem Spieler Christoph Höhenleitner noch einen würdigen Rahmen für seinen Abschied bereiten. Aber auch da müssen wir die weitere Entwicklung hinsichtlich des Coronavirus abwarten und die Situation bewerten.

Wann wird es die ersten postsaisonalen Personalentscheidungen geben?

Ich werde mich kurzfristig intensiv mit dem Trainerteam austauschen, um offene Personalien, die den aktuellen Kader betreffen, zu klären. Auch die Abschlussgespräche mit den Spielern stehen kurzfristig an. Sobald Entscheidungen gefallen sind, werden wir diese auch bekanntgeben. Auch dies wird nicht ganz einfach werden. Es gab einige Jungs, die sich speziell für die Playoffs sicher noch einiges vorgenommen haben und sich für einen neuen Vertrag empfehlen wollten.